Deutscher Heimatschutz in Rathenow – bunt und tolerant

Für den 5.3.16 hat das rassistische, ‚asylkritische‘ „Bürgerbündnis Deutschland“ zu einer Großdemonstration in Rathenow aufgerufen. Dieses überregionale Netzwerk, das aus dem Bürgerbündnis Havelland hervorgegangen ist [1], vereint nach eigenen Angaben „Bürgerbewegungen und Patrioten aus ganz Deutschland“. Vordergründig soll die Veranstaltung dazu dienen, „ein Zeichen für Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu setzen“ [2]. Tatsächlich steht das Bürgerbündnis Havelland für genau die hässliche deutsche Fratze, welche sich am Donnerstagabend den 18.02.2016 in Clausnitz zu einem Mob in Pogromstimmung zeigte. Für die bevorstehende Veranstaltung ist u.a. Victor Seibel, der dem Kasseler Pegida-Ableger Kagida, einer neonazistisch dominierten Gruppierung, zuzuordnen ist, als Redner angekündigt, sowie Anhänger von „Zukunft Heimat“ aus dem Spreewald als Teilnehmer [1].
Ein wichtiger Termin also, um Rathenow zu besuchen und den besorgniserregenden BürgerInnen und ihren befreundeten FaschistInnen entgegen zu treten.

Gleichzeitig rufen das „Bildungsbündnis Havelland“ und das „Aktionsbündnis Rathenow“ zu einer Gegenveranstaltung unter dem Motto „Rathenow ist und bleibt bunt“ auf [3]. Abgesehen von der offensichtlichen Falschbehauptung, Rathenow sei bunt (nicht umsonst findet die Großdemo der besorgniserregenden BürgerInnen dort statt), fällt der Ankündigungstitel auf Facebook äußerst übel auf: „RATHENOW HAT ETWAS BESSERES VERDIENT! Hier sind wir aufgewachsen, das ist unser Zuhause – lasst uns nicht zusehen, wie es verkommt!“. Das ist deutscher Heimatschutz vom feinsten – nur von der vermeintlich anderen Seite. Man ist zwar „bunt statt braun“, aber bitte immer noch national und patriotisch.
Vehement will man gegen Nazis vorgehen, in dem man ein Zeichen für Toleranz setze. Zeichen, die vor allem dazu dienen, das eigene Kaff in einem positiveren Licht da stehen zu lassen, ohne dass durch RassistInnen bedrohte Menschen, bspw. Geflüchtete oder alternative Jugendliche, etwas davon hätten.

Die Naivität dieser Veranstaltung zeigt sich im verzweifelten Versuch, das eigene hässliche Nazikaff schön zu machen, während der Ausfluss der eigenen Ignoranz unübersehbar wird durch das Tolerieren der schon lange vor sich hin schwelenden Kameradschaften.
Naiv mutet auch der Versuch an, mit diesen nationalen Parolen AntifaschistInnen anzulocken: Angeblich hat sich auch „die Antifa“ angekündigt. Weder gibt es „die Antifa“, noch ist dieser Aufruf für AntifaschistInnen anschlussfähig. Daher werden wir uns diesem Aufruf nicht anschließen.

Dennoch wollen wir noch einmal mit allem Nachdruck dazu aufrufen, den eigenen Kopf ein-, nationale Befindlichkeiten auszuschalten und am 5. März nach Rathenow zu kommen.
Mehr Infos werden folgen.

[1] http://m.maz-online.de/Lokales/Havelland/Asylkritiker-goennen-Rathenow-keine-Ruhe
[2] https://www.facebook.com/events/839857012790009/
[3] https://www.facebook.com/events/758498274280261/